DIE SEEJUNFRAU
 

 

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Spottet und lacht, wie ihr mögt! Ihr Ungläubigen, Unheiligen! Ihr werdet mich nicht von meinem festen Glauben abbringen, daß die See von vielerlei Wesen, nicht Mensch, nicht Tier, bewohnt wird.

Ich weiß, daß es Seejungfrauen gibt, die dich auf die See hinauslocken, du magst noch so weit von der See entfernt, tief im Binnenland ihrem Locken zu entgehen suchen. Ich weiß es sicher, daß auch mich eine blutjunge Seejungfrau zu sich in die Tiefe ziehen, mich mit ihren weichen Armen umschlingen und auf ewig festhalten wird. - Nach einer Sturmnacht, wenn die See ruhiger wird und der Tag im Osten grau und fahl heraufdämmert.

Lacht, spottet! Nein, ich bin kein alter abergläubischer Matrose, der Ringe in den Ohren trägt und sich in Schanghai, Hamburg oder San Franzisko zu Schutz und Abwehr Bilder von Seegeistern in die Haut auf Brust und Armen ritzen ließ.

Seejungfrauen sind ertrunkene Mädchen, kaum zu Leben und Liebe erwacht. Die See kann nicht grausam sein, die See ist nicht grausam; sie vergönnt ihnen als Seejungfrauen weiterzuleben, damit sie sich erfüllen, und ihnen wird, was ihnen das andere Leben versagte.

Die See muß ihnen gnädig und mitleidvoll dies Weiterleben lassen, damit sie ihr Weibsein erfüllen und alles auskosten können, was ihnen sonst verschlossen bliebe. Gäbe es sonst eine Gerechtigkeit in der6Welt, eine gerechte Ordnung? könnte ich sonst einen Weltsinn, an Liebe, Treue und Leben glauben? Sie leben ein anderes Leben weiter, die ertrunkenen Mädchen, kaum zu Liebe und Leben erwacht, sie müssen weiterleben, damit wir an den Weltsinn und Gerechtigkeit glauben können, an Liebe und Treue und nicht die Welt und das Leben verfluchen.

Spottet, lacht doch ueber mich, wenn ihr könnt !

"White Lady" heißt unsere Yacht, das schönste Schiff der Welt. Schneeweiß glänzt ihr damenhafter schlanker und voller Leib. Es gibt kein helleres Seeboot. Sie wurde in England, das einmal im Yachtbau führte, von tüchtigen Bootsbauern gebaut, hart und fest. Ihr sieht wahrhaftig keiner an, daß sie schon dreißig Jahre auf dem Buckel hat. Aber wir haben das Schiff auch stets liebevoll gehalten. Für unsere Yacht war uns nie etwas zu teuer. Draht und Tauwerk wählten wir stets ein paar Millimeter stärker als nötig, und dann das beste was beim Segelmacher unter der Decke hängt. Wir waren immer überzeugt, daß "White Lady" einen handfesten Sturm abwettern könnte ohne Schaden zu nehmen ...
 
 

12
 

Das Versprechen war schon ein paar Jahre alt. Wir lernten Elisa durch einen ungewöhnlichen Zufall kennen. Wir kamen von See her und von einer langen Fahrt zurück. Die Abendsonne glitzerte auf dem Wasser, und da sie tief stand, blendete sie, und wir sahen das Mädchen erst, als es fast zu spät war. Bei der Stadt Kappeln verengte sich die Schlei zu einem13dünnen Schlauch. Sie gleicht dort einem Fluß. Wenn nun das Wasser von See her nach etlichen Westwindtagen wieder härter in die Förde hineinströmt, entsteht an mancher Stelle der Kapellner Enge eine gefährliche Strömung. An der Fahrwasserseite, wo am meisten Strömung steht, sahen wir ein Mädchen schwimmen und bald leise um Hilfe rufen. Sie mußte sich zu weit herausgewagt und ihre Kräfte überschätzt haben.

Die Abendsonne strahlte so hell, eine leichte brise trieb uns vorwärts, wir waren so angefüllt von Behagen und begriffen erst langsam, daß in dieser freidlichen Natur, wenige Meter vom Schiff entfernt, ein Mensch mit dem Tode rang. Kuddel sah, wie sie zum ersten mal untertauchte, riß mir das Ruder aus der Hand, die Yacht hielt jetzt auf sie zu, Kuddel riß sich mit aller Kraft die Kleider vom Leib. Da, sie versank zum zweitenmal, und wir waren noch nicht heran. In diesem Augenblick füllte eine kleine Bö die Segel, wie sie in der Kappelner Enge mit den Ansteigenden, windschützigen Ufern häufig ist, die "White Lady" legte sich weit nach Lee, schoß voraus, ich stürzte nach vorn, konnte noch ihr Haar fassen und dann mit dem andern Arm ihr Handgelenk packen ...
 
 
 


 
 
 
 

... Wenn eine Unterhaltung durch ein Segelmanöver unterbrochen wird, setzt man diese unterhaltung gewöhnlich nicht fort. Wir schwiegen. Es gab so viel zu sehen ringsrum. Und schweigen ist oft mehr als Reden. In so einer Nacht kann eine Schweigen mehr sagen als tausend Worte. Es gibt so viel unaussprechliches zwischen zwei Menschen, was man nur durch schweigen sagen könnte. Wenn du einmal zutiefst in dich hineinhorchst, dan spürst du, daß du mitten unter den Menschen einsam bist. Der andere steht keinen halben Schritt neben die, du kannst seine Hand fassen ihn festhalten, es nützt dir nichts, eure Seelen bleiben zwei Welten; so fern sind sie einander wie zwei Sterne. Ganz selten einmal in einer seltenen Stunde triffst du einen Menschen, bei dem du nicht mehr deine Welteinsamkeit fühlst. Ihr seid wie zwei Schiffe, die mit gleichem Wind auf gleichem Kurs nebeneinander Segeln. Zu solchen Glückvollen Augenblicken mußt Du schweigen67damit die kleinen hilflosen Worte nicht die alte Kluft zwischen euch legen.

Und die Liebe vermag über die Himmelsweiten zwischen zwei Menschenseelen die Brücke zu schlagen.

Warum mochtest du nicht schweigen, Elisa?

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67 Nein, ich sollte so etwas nicht fragen", sagte sie.

D doch alle Fragen dürften erlaubt sein, wir waren ja Bordkammeraden.

"Warum segelt Juliane nie mit euch?" fragte sie und sah mich an.

Juliane? Ich wollte lachen. Das kannst du nicht verstehen, Elisa. Du bist noch zu jung. Du weißt noch zu wenig von dem Menschen.

Auf eine Seefahrt wie diese würde ich Juliane nie mitnehmen. Vielleicht weil wir uns verlieren würden. Sieh, Elisa, ein Mann will mit seinen Plänen und Gedanken einmal über die Wolken hinaufsteigen, nichts wäre ihm hoch und unerreichbar genug zum Erstreben, Ersehnen, Erhoffen. Eine Frau bleibt ewig mit beiden Beinen auf der Erde und im Leben, sie kann ihm nicht folgen, darf sich nicht hinausziehen lassen, oder sie geht zugrunde.

Übertrieb ich absichtlich? Beschämte mich dieses Mädchen, das unser Fahrtenkamerad war wie ein Junge, wie ein Mann in jeder Lage seinen Posten ausfüllte?

Sie antwortete: " Eine Frau kann und darf, glaube ich, alles. Sie muß dern Mann nur liebhaben."

Ich sagte ihr, sie sollte noch einmal die Seitenlaterne untersuchen. Vielleicht war der Docht zu kurz. Sie brannte so unruhig.69
 
 

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79 Barend Focke

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Elisa ich hatte keine Zeit, mich um dich zu kümmern, dir deine Sorgen auszureden, wenn du nicht Sorgen hattest, dich zu troesten und dir Mut zuzusprechen. Nein du kanntest keine angst, du hocktest dich neben mich hin, die Haare im Gesicht verklebt, jeden Augenblick warst du bereit, mit deinen kleinen zarten Händen zuzupacken.

Ich haette dich streicheln mögen, dir die nassen Haarsträhnen aus der Stirn streichen, deine Hände fassen und wärmen. Aber du mußt es verstehen, daß ich in jedem Augenblick an dich nur denken konnten, beide Hände brauchte ich, um das Steuer zu fassen, alle Kraft, um es zu regieren. Und der Blick mußte vorausgerichtet sein gegen die dunkle Wand und in das graue Gewoge. Alles hatte ich vergessen, alles andere, was voher einmal war. Ich hatte Juliane vergessen und dachte nur an dich ... ...

Daß du neben mir hocktest, Elisa! Daß du dich an mich lehntest! Mit einmal war alles anders wie93durch Zauber. Kuddel konnte in der Kajüte ein wenig schlafen, Kuddel mußte schlafen, er hatte die kurze Ruhe sauer verdient, aber du, Elisa, du hättest niemals woanders sein können als neben mir. In dieser Dunklen Sturmnacht liebte ich das Leben wie nie zuvor, ein neues Leben war es ...
 

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...96"White Lady" mag meinem Bruder gehören und auf vielen Fahrten glücklich über die See bringen. "White Lady" ist das Schönste Schiff der Welt, aber ich könnte nicht mehr die Schublade unter der Plicht aufziehen, ich könnte nicht das Vorluk öffnen, mich nicht ins Vorschiff hinabbeugen, und zu der Steuerbordseite, wo sich die leere Gasrohrkoje befindet, hinübersehen.

Das Schiff, das für mich auf Stapel gelegt ist, wird aus edlen, ausgesuchten Hölzern fest und hart gebaut, aber es darf seine kleinen, dummen Angewohnheiten haben und muß selbst bei festgelegtem Steuer seinen Kurs durchhalten können. Ich will allein einhand damit segeln. "Seejungfrau" wird mein Schiff heißen.
 
Was wollte ihr? Vor noch hundert Jahren hat ein ehrenwerter Bremer Segelschiffkapitän ein Erlebnis mit einer Seejungfrau gehabt und den Bericht den er darüber abfaßte beschworen. Eines Tages ist eine Seejungfrau in der Nähe des Schiffes aufgetaucht, um das Schiff herumgeschwommen und hat bittend und flehend zu den Seeleuten, die sich an der Seereling zusammendrängten, hinaufgewinkt. Ein junger, hübscher Matrose hat dem Locken nicht widerstehen können und hätte sich zu ihr hinabgestürzt, wenn die anderen ihn nicht sofort mit Stricken hätten festbinden lassen. 

Ich weiß, welche Gewalt solche Wesen über einen Menschen gewinnen köenne.

Lacht ihr und spottet?

Zum Teufel mit eurer, aufgeklärten Wissenschaft, eurer weltwissenden, unheiligen, ungläubigen Gelehrsamkeit! Zum Teufel mit eurer glaublosen Philosophie, mit eurer Bücherschulmeisterei! Was wißt ihr vom Leben, was wißt ihr von der See! Wißt ihr nicht, daß die See nicht grausam sein kann; daß sie keinen Menschen, kaum zum Lieben und Leben erwacht, zu sich herabholt, so von ungefähr, wie man eben jemand etwas vor die Tür bittet.

Ohne daß die See ihm ein Recht gibt und ihn verstattet, sich zu erfüllen?

GÜNTHER GRELL 1935

 
 

http://www.javanet.com/~frodo/mermaids.html

http://www.geocities.com/SoHo/4374/open.htm

http://www.mermaid.net/frames.htm

http://www.javanet.com/~frodo/merpics3.html 

and=the=world=might=call=me=weak,=but=I=enjoy=to=be=a=fraek  8-)


The Mermaid 


Twas Friday morn' when we set sail
And our ship wasn't far from the land
when our captain spied a pretty mermaid
with a comb and a glass in her hand

Chorus:
Oh, the ocean waves may roll
and the stormy winds may blow
But we poor sailors go skipping to the top
While the land lubbers lie down below, below, below
While the land lubbers lie down below, below.

Then up spoke the captain of our gallant ship
and a fine old man was he
"This fishy mermaid has warned us of our doom,
We shall sink to the bottom of the sea"

Then up spoke the mate of our gallant ship
and a well spoken man was he
"I've married me a wife in old Salem Town
And tonight a widow she'll be."

Then up spoke the cook of our gallant ship
and a red hot chef was he.
"I care more for my pots and my pans,
Then I do for the bottom of the sea."

Then up spoke the figurehead of our gallant ship
and a well carved figure was she.
"I'd rather be a figurehead of this gallant ship,
Then a log at the bottom of the sea."

Then up spoke the cabin boy of our gallant ship
and a dirtly little rat was he.
"There's nary a soul in old Salem Town,
That gives a lick about me."

Then three times around went our gallant ship
then three times around went she.
Then three times around went our gallant ship,
and she sank to the bottom of the sea.




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